Der Schwachsinn hat einen Namen

Der EUGH hat am 12.10.2017 entschieden, dass Webshops eine Zertifizierung nach der EG-Öko-Verordnung benötigen wenn Sie BIO-Produkte in den Verkehr bringen. Wir reden hier aber nicht nur von losen Waren, sondern von bereits kontrollierten und versiegelten BIO-Produkten wie z. B. Olivenöl oder Honig.

... "Denn wenn Versandhändler Bioprodukte lagerten und Transportunternehmen sie auslieferten, bestehe ein erhebliches Risiko, dass Waren umetikettiert, vertauscht oder verunreinigt werden können. Die Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass Bioprodukte tatsächlich alle Kriterien dieses Gütesiegels erfüllten..."

Ich frage mich nun 1.) worin liegt der Unterschied wenn eine versiegelte Flasche Olivenöl in ein Versandpaket von einem nicht zertifizierten Webshopbetreiber gelegt wird zu der selben Flasche, die durch einen zertifizierten Webshopbetreiber in das Versandpaket gelegt wird?

 2.) müßte nicht konsequenter Weise dann auch das Transportunternehmen zertifiziert werden?

Und 3.)in wiefern der Verbraucher nun dadurch geschützter ist, weil der Webshopbetreiber eine Zertifizierung besitzt? Sollte das Siegel gebrochen sein, verwenden Sie doch die Flasche so oder so nicht, ob nun BIO oder nicht! 

Und glauben Sie im Ernst das ein nicht zertifizerter Webshopbetreiber nicht in der Lage ist die BIO-Produkte in seinem Lager von den anderen zu unterscheiden? Er Ihnen also ggf. eine falsche Flasche ins Paket legt. Was machen Sie denn dann als Verbraucher? Sie nehmen die nicht bestellte Flasche an? 

Die Zertifizier gehen allerdings offenbar davon aus. Die kommen dann (für viel Geld) vorbei und geben Ihnen Tipps (Anweisungen), wie solche, dass man doch die Bio-Flaschen links im Lager aufbewahren sollte und die anderen Flaschen rechts im Lager aufbewahrt, damit man die Flaschen nicht verwechselt.

Mit diesem EUGH-Beschluß werden nicht nur kleine Webhopbetreiber in Ihrer Existenz bedroht (denn entweder sie zahlen die teure Zertifizierungsgebühr, die dann den Umsatz der BIO-Produkte wieder in Luft auflöst oder sie verlieren ihren Umsatz, den sie mit den BIO-Produkten gemacht haben), sondern auch die kleinen Familienbetriebe die jetzt ihre Produkte eben nicht mehr an die Webshops liefern können. 

Die Frage bleibt im Raum, wer hat denn nun etwas davon? Der Verbraucher? Sicher nicht, denn nun bekommt er weniger BIO-Produkte angeboten als vorher. Darüber hinaus ist der vermeintliche Schutz des Verbrauchers durch das ÖKO-Zertifikat immer öfter nicht gegeben (siehe auch weiter unten zum aktuellen Olivenöl Test der Stiftung Warentest). Der Produzent? Nein und ja. Der kleine Produzent, wie er in Griechenland gerade verucht wiederauf die Beine zu kommen, zu überleben, hat mal wieder in den sauren Apfel gebissen. Er hat nun einige Kunden verloren und kann bei den großen Abnehmern (Discounter etc.) preislich nicht mithalten. Und da ist er nun endlich der Benefit, der ganzen Aktion des EUGH: Die großen Firmen übernehmen so Stück für Stück den Markt und verdrängen die kelinen Mitbewerber. Leider alles nicht neu und schön EU-konform. Ein Hoch auf die Lobbyisten!

Sie sind der Verbraucher und sollten sich gegen so eine Schwachsinn wehren. Oder fühlen Sie sich durch den EUGH-Beschluß jetzt tatsächlich geschützter als vorher?

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" ... Dem „Rapunzel“-Bioöl (13,30 Euro) attestierten die Tester dagegen „altes Öl“ oder eine unzulässige Wärmebehandlung. Gesamturteil: „ausreichend“. Auch die viel verkauften Öle von Bertolli „Gentile“ und „Originale“ schafften nur ein „Ausreichend“, genauso wie das „Ja“-Öl von Rewe. Noch schlechter schnitt die Bio-Variante des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers ab. Das Öl schmecke „ranzig“ nach Oliven, die Frostschäden erlitten haben, begründeten die Verbraucherschützer ihr „mangelhaftes“ Urteil für Rewe Bio P.D.O. (zehn Euro)..."

Quelle: Tagesspiegel
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/stiftung-warentest-gutes-olivenoel-kostet-mindestens-24-euro/20881152.html

 

 

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